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Leistungskennlinien von Windenergieanlagen – eine Black Box

05.09.2014, erschienen im NEWSLETTER September 2014

Die wirtschaftliche Bewertung eines in der Planung befindlichen Windparks erfolgt zumeist auf der Grundlage von Windgutachten. Windgutachten werden vor allem auf Basis von standortspezifischen meteorologischen Daten, den örtlichen Oberflächengegebenheiten und der Leistungskennlinie der geplanten Windenergieanlage (WEA) erstellt. Die meteorologischen Eingangsdaten stammen zumeist von WetterdienstenoderausMessdaten am Standort. Informationen zur Oberflächengegebenheiten werden meistens den kartografischen Diensten entnommen. Die Angaben zu den Leistungskennlinien stellen die WEA-Hersteller zur Verfügung. Die Abhängigkeit der abgegebenen elektrischen Leistung von der Windgeschwindigkeit wird entweder rechnerisch aus den Entwurfsdaten für Rotor und Antriebsstrang, oder durch Messungen in einem realen Windfeld ermittelt. Die Leistungskennlinien werden im Rahmen der Kaufverträge oftmals von den Herstellern lediglich zu 95% für einen Zeitraum von zwei Jahren ab Abnahme garantiert. Aus dem laufenden Betrieb ergeben sich aber häufig Zweifel an der Performance und der Einhaltung der garantierten Leistungskennlinie. Die Zweifel speisen sich im ersten Schritt vor allem aus den Daten der WEA-eigenen Wind- und Leistungsmessung. Dort kann aber schon ein nicht korrekt eingestellter Korrekturfaktor in der Steuerung, eine hohe Messunsicherheit des verbauten Messinstruments oder eine Änderung beim Einbaustandort des Windgeschwindigkeitssensors zu einer Abweichung der Messwerte führen. Darüber hinaus ist das Messinstrument einer erhöhten Turbulenzbelastung in der Nachlaufströmung des Rotors ausgesetzt. Diese Daten können damit zu einer falschen Interpretation führen und sind als belastbarer Nachweis für die Leistungskennlinie unzureichend. Die Hersteller befinden sich aus Betreibersicht dabei in einer komfortablen Situation. Sollte der WEA-Eigentümer begründete Zweifel an der Einhaltung der Leistungskennlinie haben, so muss dieser erst einmal auf seine Kosten den Nachweis liefern. Hierfür ist ein akkreditierter Gutachter mit der Vermessung der WEA nach IEC 6140012-1 zu beauftragen.

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